1928 – 1945

Elbe und Wassersport gehören untrennbar zusammen und so war es nur eine logische Folge, dass sich außer dem bereits seit 1921 bestehenden „Laubegaster Ruderverein“ auch die finanziell weniger bemittelten Kanuten in einem Verein zusammenschlossen. Am 18. Februar 1928 gründete sich die Bootsabteilung des Dresdner Turn und Sportvereins „Fortschritt“ in Laubegast. Am 20.04.1928 erfolgte dann unter der Nummer 1257 die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Dresden. Als Vorstand wird dort ausgewiesen: Schlosser Josef Franz aus Dresden, Tischler Rudolf, Karl Weiß, Kaufmann Herbert Sohl aus Leuben.

Der Verein besaß zu dieser Zeit weder ein Bootshaus noch vereinseigene Boote. Die Boote der Mitglieder fanden Unterkunft in der Elbterrasse (ehemals Reissig). Eine vordringliche Aufgabe war es, ein eigenes Bootshaus zu errichten. Eine günstige Lage war auf dem Gelände des ehemaligen Hartmannschen Sommersitzes. Dieser war von 1874 bis 1877 auf dem Areal Laubegaster Ufer 33-35 gebaut wurden und umfasste eine Villa, ein Verwaltungshaus und einen Pferdestall.

Ein Wasserturm versorgte die Gebäude mit dem nötigen Trinkwasser. Das Gelände mit dem Pferdestall kam den Interessen der Kanuten sehr entgegen. 1932 ergab sich eine günstige Gelegenheit. Auf der Hamburger Straße (hinter Seidel & Naumann – heute Technisches Rathaus) wurde die Lagerhalle einer Margarinefabrik abgerissen. Bei 16°C Kälte begann der Abbruch und der schwierige Transport nach Laubegast.

Auf dem ehemaligen Hartmannschen Gelände, das völlig verwildert war, erfolgte der Um- und Wiederaufbau. „Hannel“ (Johanna Pehnert) erinnert sich:

„Gemeinsam mit den anderen Sportlern baute Alex die Bootshalle mit auf. Viele Feierabende und Wochenenden wurden darangesetzt, um das Bootshaus im Frühjahr bezugsbereit zu haben. Durch die hohe Arbeitslosigkeit konnte der Aufbau relativ schnell geschafft werden.“

Da alle Arbeiten in freiwilligen Einsätzen unbezahlt durchgeführt wurden, brauchten „nur“ 3000 RM Kredit für Neuanschaffung und Material aufgenommen werden. Die ersten sportlichen Erfolge stellten sich ein. Erich Weiss siegte 1932 zur Arbeiterolympiade in Wien im K 1. Er führte dort mit seinem Sohn die Kenterrolle vor. Weitere Teilnehmer waren Kurt Reichel und seine Frau.

1933 wurde von den Nazis der Arbeiterturn- und Sportverein „Fortschritt“ und damit auch die Bootsabteilung aufgelöst und verboten. Ein Großteil des Materials wurde beschlagnahmt bzw. ausgelagert. Der Rat der Stadt Dresden als Grundstückseigentümer kündigte die Nutzung des Geländes. Die unter unsäglichen Mühen aufgebaute Bootshalle musste geräumt werden. Die Privatboote wurden in Schauern und Gärten der Umgebung untergebracht. Bei der Auflösung standen noch die 3000 RM Schulden offen. Unverdrossen kämpften die Sportler nach der Auflösung des Vereins, die am 20.12.1933 erfolgte, um den Besitz des Bootshauses und das beschlagnahmte Material.

Durch den Sportkameraden Alfred Richter kam die Verbindung mit dem Vereinsführer Otto Walter vom Turn- und Sportverein „Frisch Auf“ Dresden Kleinzschachwitz e.V. zustande. Am 01.06.1934 gründeten 15 Männer und 3 Frauen die Bootsabteilung des Turn- und Sportvereins “ Frisch Auf“. Allerdings wurde sie nicht mehr als selbstständige Abteilung im Landesregister eingetragen. Als Abteilungsleiter wurde Fritz Löbel und als technischer Leiter Kurt Reichel bestimmt. Vereinsboote waren keine vorhanden.

Nach langen und schwierigen Verhandlungen durfte das Bootshaus wieder benutzt werden und das beschlagnahmte Material wurde zurückgegeben. Obwohl das Bootshaus durch die Sportler erbaut und ihnen weitgehend gehörte, durften sie nur die linke Seite von der SA abmieten. Dabei musste noch die Verpflichtung übernommen werden, zwischen der linken und der mittleren Tür eine Trennwand durch das ganze Bootshaus zu ziehen, damit unsere Privatboote von den Booten der SA getrennt liegen und so Reibereien vermieden werden sollten. 1935 stellte sich dann heraus, dass die SA gar keine Boote hatte und die Trennwand nicht notwendig war.

Für die Bootsabteilung blieb das Problem der Schulden. Der neue Verein hatte die 3000 RM Schulden nicht übernommen. Durch wachsende Mitgliederzahlen – die Bootsabteilung vergrößerte sich innerhalb von 2 Jahren auf rund 100 Mitglieder – konnte die Schuldensumme im Zeitraum 1934 bis 1936 abgestoßen werden.

Sportliche Erfolge in dieser Zeit waren beim Kreisfest der Deutschen Turner in Meißen 1934 die 100%ige Teilnahme der Bootsabteilung mit 2 Motorbooten, 2 Ruder- und 8 Faltbooten, sowie die Teilnahme an der Ersten Dresdner Motorbootregatta mit 3 Booten im Rennen, davon 2 Siege.

Immer wieder zog es an den Wochenenden die Bootsfahrer in Richtung Sächsische Schweiz. Besonders beliebt war das Zelten an der Wesenitzmündung sowie in Wehlen. Mitte der 30er Jahre gelang es dann, den Zeltplatz in Wehlen zu pachten.

Nachdem 1936 die Schulden, die auf dem Bootshaus lagen, getilgt waren, strebten die Sportler den käuflichen Erwerb des Grundstücks an. Aber, da wir nur noch eine Bootsabteilung des TS „Frisch Auf“ waren, standen wir nicht mehr im Vereinsregister. Folglich wurde der Kauf nicht genehmigt.

1936 und 37 fanden die ersten Vereinswettkämpfe zwischen W.S.V. Neustadt B.A. und „Frisch Auf“ statt. 1936 siegte Neustadt, 1937 wurde „Frisch Auf“ überlegener Sieger. Ein besonderer Wert bestand darin, dass nicht nur ein oder zwei „Sportskanonen“ um den Sieg rangen, sondern sich 22 Sportkameraden daran beteiligten.

In den Werkräumen des Bootshauses werden 40 Kajaks für alle Bezirksvereine gebaut. Eine aktive Arbeit leistete der Verein auch über das Bootshaus hinaus. 1937 fand eine Großveranstaltung „Fasching bei Wasserratten“ in Donaths Neuer Welt statt. Der Reingewinn betrug 200 RM bei volkstümlichen Preisen. Mit noch größerem Erfolg wurde dies 1938 wiederholt. Ein aktives Wasserwandern war typisch: Verbandswanderfahrt der Ruderer nach Wittenberg mit 9 Ruderbooten; Faltbootfahrten in die Masuren, auf der Spree, der Havel und an die Ostsee. An der Saar-Mosel-Fahrt von KdF beteiligten sich 12 Sportler mit 7 Booten.

1939 hatte die Bootsabteilung 117 Mitglieder und war damit im Turn- und Sportverein „Frisch Auf“ zur größten Abteilung geworden. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges fielen auch viele Sportveranstaltungen weg. Neu eingeführt wurden vom Fachamt Rudern die „Kriegs- und Winterwettbewerbe“. Sie umfaßten Rudern, Schwimmen, Gymnastik und Wandern. In den Skiwettkämpfen der Ruderer holte sich „Frisch Auf“ 4 Siege, 4 zweite und einen dritten Platz.
In bleibender Erinnerung ist wohl allen das Elbehochwasser vom 17.03.1940 geblieben. Das Wasser stand 1,35 m über der Straße am Laubegaster Ufer 35. Die Kanuten fuhren im Hof unseres Bootshauses und paddelten mit Begeisterung die Lockwitz hoch. 1940 gibt es 146 Mitglieder.

1942 kommen wieder Gewitterwolken über das Bootshaus. Da der Verein, wie schon angeführt, den Grund und Boden nicht kaufen durfte, teilt die Stadtbank am 31.03.1942 mit, dass sie das Grundstück an Frau Ilse Rothe verkauft habe und damit den bestehenden Mietvertrag per Jahresende aufkündige. Die neue Besitzerin beabsichtigte, ein Kinderheim zu errichten. Mit geschickten Argumenten konnte die Vereinsführung diese drohende Gefahr abwenden. Auszug aus einem Schreiben
vom 06. April 1942:

„Ihre Kündigung erhalten. Eine Räumung jetzt im Kriege dürfte wohl kaum in Frage kommen. Das wir (Deutschland) uns im Kampf um Sein und Nichtsein befinden, scheint verschiedenen Stellen – siehe Kündigung – nicht bekannt zu sein!! 92 % unserer Sportkameraden tragen das graue Ehrenkleid, mehrere Male mussten wir bereits flaggen, und in der Heimat, die sie schützen, setzt man sie auf die Straße. Ich kann die Verantwortung nicht übernehmen, es meinen Sportkameraden mitzuteilen.“

Zum Wassersportvolkstag 1942 erzielen unsere Frauen von insgesamt 205 Vereinen im Deutschen Reich den vierten Platz, für Sachsen haben sie den ersten Platz errungen. Die Männer sind an zehnter Stelle von 252 Vereinen. Für diesen Erfolg erhalten die Frauen einen Gigdoppelzweier und die Männer einen Satz Riemen für den Vierer. Auch 1943 erkämpfen unsere Sportler in diesem Wettkampf wertvolle Preise. Die Frauen erhalten einen Gigdoppelvierer mit Rudersatz und die Männer erringen einen “ Sperling“ (ein Sperling ist ein Sperrholzskiff). Die Sportsfreunde Gerhard Grahl und Gerhard Drechsler errangen zwei erste Plätze. Gerhard Grahl erinnert sich noch gut an den Tag, unter dem Motto:

Glück im Unglück. „Sonnabend und Sonntag war die Regatta. Für den Montag hatte ich die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst. Wir waren guter Stimmung. Hatten wir doch schon einige Erfolge eingefahren. Als Letzte startete noch eine Sportfreundin von uns im F 1 über 500 m. Wie üblich feuerten wir sie lautstark an und rannten am Ufer mit entlang. Bei diesem Lauf vertrat ich mir das Bein. Der Fuß schwoll so stark an, sodass ich der Einberufung nicht nachkommen konnte. Damit verschob sich die Einberufung zum RAD und zum Militär um 6 Wochen. Ich nutzte diese Zeit noch voll zum Bootfahren.“

Schlimm sieht es um die Mitglieder im April 1944 aus. Die Bilanz von Kurt Reichel ergibt:
175 Mitglieder: 96 Männer, 43 Frauen, 27 männl. sowie 9 weibliche Jugendliche davon: 82 eingezogen, 3 kriegsversehrt, 7 gefallen, 3 vermisst sowie 2 in Gefangenschaft.

Kurt Reichel, der über 10 Jahre die Bootsabteilung führte, hätte im Jahre unseres 70-jährigen Bestehens seinen 100. Geburtstag (geb. am 25.08.1898).

Als bitteres Erbe des 1. Weltkrieges sank der Mitgliederstand 1945 auf 83 Sportsfreunde, davon 15 Männer, 17 männliche Jugendliche, 24 Frauen und 27 weibliche Jugendliche. Laut Verfügung der Landesverwaltung Sachsen wurden alle Sportvereine e. V. aufgelöst, die Namen aus dem Vereinsregister gelöscht und das Inventar verstaatlicht. Wieder tat sich eine Hürde für die Existenz des Bootshauses auf, Herr Eglin von der Firma Dr. Stange & Co teilte uns mit:

„Das gesamte Vermögen des ehemaligen Turn- und Sportvereins Kleinzschachwitz ist beschlagnahmt (..) Hierbei ist der Wert des Gebäudes und der Gegenstände zu schätzen. Ich bin berechtigt, die Gegenstände in dem vereinseigenen Bootshaus einzulagern und auch gegebenenfalls das Bootshaus selbst zu Gewerbezwecken zu vermieten, unter dem Vorbehalt, dass die SMAD eine Räumung des Bootshauses wieder verlangen kann. Der ehemalige Turn- und Sportverein Kleinzschachwitz hat mit seiner Auflösung sämtliche Befugnisse über die außerhalb des Bootshauses benutzten Räume verloren.“